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Natur und Lyrik

Diesmal geht es um Alexander von Humboldt, den man mit gutem Gewissen als eine der bekanntesten Personen des 19. Jahrhunderts bezeichnen kann.1 Als Physikstudent bin ich natürlich etwas vorbelastet und wollte mich eigentlich über die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse von Humboldt belesen, bin dann aber an etwas anderem hängengeblieben: der Art und Weise, wie Humboldt über seine Reisen und Forschung geschrieben hat. (Keine Sorge übrigens, Naturwissenschaften machen wir nachher trotzdem.)

Solltet ihr Humboldt nur von „irgendsoeiner Uni in Berlin“ kennen, dann seid beruhigt, hier ist eine kurze Biografie:Wir schreiben das Jahr 1769. James Watt patentiert seine erste Dampfmaschine, James Cook beobachtet am anderen Ende der Welt den Venus-Transit vor der Sonne und in Berlin Tegel wird James Alexander von Humboldt als (2 Jahre) jüngerer Bruder von Wilhelm geboren. Die ersten 27 Jahre seines Lebens verbringt Humboldt in Europa, sein Lebensweg geprägt durch seine recht strenge Mutter. Er studiert in Freiberg und Hamburg, arbeitet danach als Bergassessor (Bergwerksinspekteur). Schon in dieser Zeit revolutionierte er den Bergbau in Preußen und Sachsen und forschte auf dem Gebiet der Geologie und vielen anderen Wissenschaften.Nach dem Tod seiner Mutter erbte er viel Geld und sah sich in der Lage, seinen Kindheitstraum einer Expedition nach Amerika zu finanzieren. Er irrte einige Zeit durch das im Krieg versunkene Europa2, um jemanden zu finden, der ihn über den Atlantik schiffen konnte. Dabei lernte er in Paris seinen Reisebegleiter Aimé Bonpland kennen. In Spanien hatte er dann Glück und trat seine Reise an, die fünf Jahre dauern sollte.Nach erfolgreicher Überfahrt durchquerte Humboldt gemeinsam mit Bonpland und in Begleitung einiger Indigos den Regenwald auf dem Orinoco (einem Fluss, heute in Venezuela und Kolumbien), bestieg zahlreiche Vulkane, erlebte Erdbeben und sammelte immens viele Tier- und Pflanzenarten. Über drei Jahre verbrachten sie so im nördlichen Teil Südamerikas, bis die Gruppe schließlich nach Mexiko aufbrach. Dort sammelte Humboldt weiter Daten und Informationen über die Vegetation, Geologie aber auch die indigenen Zivilisationen. Die letzte Station der Reise waren dann die frisch gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika, wo sich Humboldt unter anderem mit Thomas Jefferson und einigen anderen Staatsmännern traf und anfreundete.

Glasgeschichten

Fensterscheiben sind eine von diesen Sachen, die wie Tarnkappenbomber, subtiler Sarkasmus und Introvertierte per Design nicht auffallen sollen. Umso spannender sind sie aber, wenn man sich dann doch mal mit ihnen beschäftigt. Das habe ich letzte Woche gemacht und zahlreiche Wikipedia-Artikel, Patente, Blog-Einträge und ein Buch später habe ich heute für euch ein paar der interessantesten Fakten und Anekdoten aus der Geschichte des Glases.

Ursprünglich habe ich mich, wie angedeutet, mit Fensterglas beschäftigt; genauer gesagt mit dessen Herstellung. Ich weiß nicht, ob ihr bis jetzt mal darüber nachgedacht habt, aber wenn ja, habt ihr vielleicht wie ich angenommen, dass das Glas auf irgendeine Art und Weise gegossen oder gewalzt wird. Falsch gedacht.1 Der tatsächliche Prozess ist um einiges spannender und könnte direkt aus einem Steam-Punk Buch stammen.Fensterglas wird seit den 50er Jahren überwiegend im sogenannten Floatglasverfahren hergestellt. Der Name verrät schon, dass das Glas auf irgendetwas schwimmt, und zwar auf flüssigem Zinn. Richtig gelesen: flüssiges, knapp 1000 °C heißes Glas wird direkt aus einem Ofen auf flüssiges Zinn von ähnlich hoher Temperatur gekippt. Diese Technik, die eigentlich auch aus Mordor2 kommen könnte, hat einige sehr praktische Vorteile.Da das Glas auf dem dichteren Zinn schwimmt, breitet es sich durch die Gravitation auseinandergezogen in eine perfekt planparallele Scheibe (eher in eine Art langes Band, weil es an einem Ende gezogen wird) aus. Durch die Oberflächenspannung des Glases und des Zinns passiert das nicht unendlich lange, sondern es stellt sich eine bestimmte Dicke von etwa 7 mm ein.Für die meisten Anwendungen ist das allerdings etwas zu viel (Fensterglas ist etwa 4 mm stark). Deswegen macht man das Glas noch dünner, indem man es auseinanderzieht. Damit das Band dadurch aber nicht auch schmaler wird, müssen zusätzlich noch die Ränder festgehalten werden, was mit gekühlten Rollen bewerkstelligt wird.Jetzt muss das Glas aber noch aus dem Zinnbad heraus. Dazu bedient man sich der Tatsache, dass Glas schon bei viel höheren Temperaturen (ab ca. 600 °C) als Zinn (ca. 230 °C) fest wird. Man senkt also die Temperatur am Ausgang des Zinnbades soweit hinab, dass man das Glas sicher vom noch flüssigem Zinn nehmen kann, ohne es zu beschädigen. Tatsächlich sind über dem gesamtem Zinnbad Temperaturregulierer verbaut, sodass man einen sanften Temperaturabfall vom Ofen zum Ausgang hin gewährleisten kann.Außerhalb des Bades muss das Glas dann nur noch vorsichtig abgekühlt werden, man nennt das „Glühen“ oder auf englisch „Annealing“. Das ist hier notwendig, damit sich innerer Stress im Material abbauen kann. Bei den verwendeten Temperaturen fließt das Glas an sich zwar nicht mehr, aber einzelne Moleküle im Inneren können sich noch genug bewegen, um sich stress-/spannungsfreier anzuordnen. Überspringt man diesen Schritt und kühlt das Glas zu schnell ab, kann es zerspringen.

Von Gullideckeln und Fallout

„Operation Plumbbob“. Wie die Bezeichnung vielleicht vermuten lässt, handelt es sich bei dem Programm, das ich diese Woche im Internet gefunden habe, um ein Militärprojekt. Genauer gesagt um eine Testreihe für US-Atombomben im Jahr 1957. Während Plumbbob wurden keine extrem großen Bomben getestet, wie zum Beispiel während Operation Castle im Pazifik, sondern „kleinere“ Bomben mit Sprengkraft zwischen 1kg und 500kT (was, um fair zu sein, doch recht viel ist). Mit den Gewichtsangaben ist hier gemeint, wie viel TNT man braucht, um die gleiche Energie freizusetzen. Meine Aufmerksamkeit wurde aber stattdessen durch einige interessante, fast schon kuriose, Vorkommnisse geweckt.